Presse

21. Oktober 2017

Dem Sterben den Schrecken nehmen

Vom Tabuthema zum selbstbestimmten Projekt. Professor Schneider darüber, wie sich die Einstellung zur letzten Lebensphase wandelt Von Helmut Bissinger

Prof. Werner Schneider

„Soll Hospizarbeit Zukunft haben, muss sie sich um die Verschiedenartigkeit in der heutigen Gesellschaft, um existenzielle Krisensituationen und um Randgruppen kümmern“, sagt Schneider.

Er würde es, wie er sagt, gerne sehen, wenn Hospizarbeit zu einer Bürgerbewegung werden würde. Tod und Sterben müssten als Teil des Lebens ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken.

Der Wissenschaftler holt weit aus: Im 17. Jahrhundert, so sein Rückblick, habe es den Totentanz gegeben. „Damals standen Tote wie Lebende in einer göttlichen Ordnung von Diesseits und Jenseits.“ Jeder Mensch habe seine Lebenszeit als einen Wimpernschlag betrachtet und einem „guten Sterben“ entgegengestrebt.

„Wir können nicht mehr für Sie tun.“ Diesen Satz, vor dem sich so viele fürchten, gibt es für Schneider nicht. Sterbenskranken Menschen die verbleibenden Tage, Wochen und Monate mit bestmöglicher Lebensqualität zu füllen und den Angehörigen eine anhaltende Erinnerung an das gute Endes eines geliebten Menschen zu bereiten, sieht er als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der beste Ort zum Sterben sei Zuhause, unterstützt durch einen ehrenamtlichen Hospizdienst.

„Die Zukunft des Sterbens“. Professor Dr. Werner Schneider berichtet auf Einladung der Hospizgruppe Donau-Ries am Mittwoch, 25. Oktober, um 19 Uhr im Veranstaltungsraum der Raiffeisen-Volksbank in Donauwörth, Adolph-Kolping-Straße 32, über mögliche Zukunftsperspektiven in der Versorgung und Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.
Quelle:
http://www.augsburger-allgemeine.de/donauwoerth

05. August 2017

Wirtschaftsvereinigung

„Alltagshelden, die Bayern lebenswert machen“

Hospizgruppe Donau-Ries als „vbw champ Schwaben“ ausgezeichnet

Von Jim Benninger

Klaus-Peter Dietmayer und Stephanie Ammicht zeichneten die Hospizgruppe Donau-Ries als „vbw champ Schwaben“ aus. Foto: Jim Benninger

 Sie arbeiten meist im Hintergrund ehrenamtlich für schwerstkranke und sterbende Menschen. Ein guter Grund für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, die Hospizgruppe Donau-Ries für ihr regionales Engagement als „vbw champ Schwaben“ auszuzeichnen.

Dies macht die Vereinigung im Rahmen der 28. BR-Radltour unter dem Motto „Leben und Arbeiten in den bayerischen Regionen“ in jedem der sechs Ankunftsorte für Bürger, die sich für andere einsetzen. Nach Gunzenhausen war nun Nördlingen an der Reihe und auf der Kaiserwiese baten die Moderatoren Ulla Müller und Roman Roëll beim Auftritt der BR1-Band den Vorstand der vbw-Bezirksgruppe Klaus-Peter Dietmayer und deren Geschäftsführerin Stepanie Ammicht sowie die Vertreterinnen der Hospizgruppe auf die Bühne.

Dietmayer erklärte dabei: „Bayern geht es gut. Unsere Heimat bietet eine hervorragende Lebensqualität und gute Arbeitsplätze. Damit das Miteinander von Gesellschaft und Wirtschaft klappt, brauchen wir aber auch die Menschen vor Ort, die die Region durch ihr Engagement erst lebens- und liebenswert machen.“ Die Mitarbeiter der Hospizgruppe seien solche Alltagshelden und verbesserten mit ihrem Engagement die Situation schwerstkranker und sterbender Menschen.

Mitarbeiterin Elfriede Helmschrott nahm dann stellvertretend für alle Hospizbegleiter die Auszeichnung und den Scheck in Höhe von 1000 Euro entgegen. Die Ehrenamtlichen betreuen und begleiten Menschen, die an einer unheilbaren schweren oder chronisch fortschreitenden Krankheit leiden. Auch den Familienangehörigen schenken sie auf Wunsch in solchen schweren Situationen besondere Aufmerksamkeit. Im vergangenen Jahr hatten 60 Ehrenamtliche der Hospizgruppe insgesamt mehr als 14000 Kilometer zu ihren Einsatzorten zurückgelegt, und dort über 1600 Stunden bei den Kranken oder ihren Angehörigen verbracht.

„vbw champ“ konnte jeder Bürger Bayerns ab 18 Jahren werden, der sich für eine gemeinnützige Sache einsetzt und Menschen dabei unterstützt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben oder die Lebensqualität für eine Person oder Gruppe erhöht. Die Kandidaten wurden vom regionalen vbw-Vorstand vorgeschlagen und von einer speziellen Jury ausgewählt.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

02.August 2017

Hospizgruppe Donau-Ries e.V. ist „vbw champSchwaben“

Verleihung vbw Champ in Noerdlingen - Hospizgruppe Donau-Ries e. V.
BR Moderator Roma Roell, Laudator Klaus-Peter Dietmayer, Elfriede Helmschrott und ihre Helferinnen der Hospizgruppe Donau-Ries e. V., BR Moderatorin Ulla Müller. (Bild: vbw)

Im Rahmen der 28. BR-Radltour hat die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. die Hospizgruppe Donau-Ries e. V. für ihr regionales Engagement mit dem Titel „vbw champSchwaben“ ausgezeichnet. Unter dem Motto „Leben und Arbeiten in den bayerischen Regionen“ werden in jeder der sechs Tour-Städte Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich für andere Menschen einsetzen. In diesem Jahr führt die BR-Radltour vom mittelfränkischen Gunzenhausen nach Sonthofen im Oberallgäu.

 

Nördlingen – Die Hospizgruppe Donau-Ries e. V. unterstützt seit 1999 schwerstkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige im Landkreis Donau-Ries. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen und begleiten Menschen, die an einer unheilbaren schweren oder chronisch fortschreitenden Krankheit leiden. Auch den Familienmitgliedern, die in dieser schweren Situation besondere Aufmerk-
samkeit benötigen, stehen sie zur Seite. Im Jahr 2016 sind die circa 60 Ehrenamtlichen der Hospizgruppe insgesamt mehr als 14.000 km zu ihren Einsatzorten gefahren und haben über 1.600 Stunden bei den Kranken verbracht.

Klaus-Peter Dietmayer, Vorstand der vbw Bezirksgruppe Schwaben und Geschäftsführer von erdgas schwaben gmbh, erklärte bei der Preisverleihung: „Bayern geht es gut. Unsere Heimat bietet eine hervorragende Lebensqualität und auch gute Arbeitsplätze. Damit das Miteinander von Gesellschaft und Wirtschaft klappt, brauchen wir aber die Menschen vor Ort: die ‚Helden des Alltags‘, die die Region durch ihr Engagement lebens- und liebenswert machen. Die Mitarbeiter der Hospizgruppe Donau-Ries e. V. sind solche ‚Alltagshelden‘. Mit ihrem bemerkenswerten Engagement verbessern sie die Situation schwerstkranker und sterbender Menschen.“ Elfriede Helmschrott, Mitarbeiterin der Hospizgruppe nahm stellvertretend für alle Hospizbegleiter der Gruppe die Auszeichnung und einen Scheck im Wert von 1.000 Euro entgegen, mit dem die vbw die Arbeit der Hospizgruppe unterstützen will.

„vbw champ“ kann jeder Bürger Bayerns ab 18 Jahren werden. Bewerber müssen sich zum Beispiel für eine gemeinnützige Sache einsetzen, Menschen dabei unterstützen, am gesellschaftlichen Leben in der Region teilzuhaben oder die Lebensqualität für eine Person oder Gruppe erhöhen. Die Kandidaten werden vom regionalen vbw Vorstand vorgeschlagen und in einer Jurysitzung ausgewählt.(pm)

Quelle: Donau-Ries-Aktuell

 

Quelle: vbw

11. Februar 2017

Donau-Ries

Zum Wohl schwerstkranker Menschen

Kooperation, um schwerstkranken Menschen zu helfen: (von links): Marianne Wittmann (Koordinatorin Hospizgruppe), Hans Breithaupt, Jürgen Wiedemann (Betriebsdirektor Donau-Ries Klinik Donauwörth), Jürgen Busse, Sibylle Eberle (Koordinatorin).Foto: Szilvia Iszo/gKU

Die gKU-Kliniken und Seniorenheime und die Hospizgruppe Donau-Ries haben ihre bisherige Zusammenarbeit mit zwei Kooperationsvereinbarungen nun auf eine verbindlichere Grundlage gestellt. Ziel ist es die Situation schwerstkranker und sterbender Menschen im Landkreis zu verbessern.

Die Kooperationsvereinbarung gilt zwischen den Mitarbeitern der Hospizgruppe und den Donau-Ries Seniorenheimen in Rain, Monheim, Wemding und dem Bürgerheim Nördlingen, ebenso wie mit den Kliniken in Donauwörth, Oettingen und Nördlingen.
„Wir legen in diesen beiden Vereinbarungen erstmals die jeweiligen Rollen und Aufgaben von Pflegefachkräften und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Hospizdienstes fest. Wir verpflichten uns zur gegenseitigen Information, nennen Ansprechpartner, machen Informationswege transparent und unterstützen uns gegenseitig bei der fachlichen Weiterbildung“, skizzieren Hans Breithaupt, Vorsitzender Hospizgruppe, und gKU-Vorstandsvorsitzender Jürgen Busse einige Eckdaten der Vertragswerke. Konkret heißt das, dass es vor allem eine gegenseitige Abstimmung von Ärzten, Pflegepersonal und Hospizbegleiter geben wird. Bisher konnten die Begleiter zwar im Krankenhaus tätig werden, wurden aber weniger aktiv in die Betreuung miteingebunden. Zudem erhält die Hospizgruppe eine finanzielle Aufwandsentschädigung über ihren Einsatz im Krankenhaus.

Die bereits bestehende gute Zusammenarbeit mit der Palliativstation des Stiftungskrankenhauses Nördlingen sei in den Vereinbarungen ausdrücklich miteingeschlossen, betonten sie. Man hoffe mit dieser verbindlicheren Regelung eine weitere qualitative Verbesserung der palliativen Versorgung im Landkreis zu erreichen.

Grundlage für die Kooperations-Vereinbarungen ist das „Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung“ vom November 2015. Dort wurde geregelt, dass die ambulante Hospizarbeit in Pflegeheimen stärker berücksichtigt werden soll. Auch Krankenhäuser können nun die Hospizvereine mit Sterbebegleitungen beauftragen.

Durch das Gesetz ist die Sterbebegleitung ausdrücklicher Bestandteil des Versorgungsauftrages der sozialen Pflegeversicherung geworden. (pm/fene)

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

8. Oktober 2016

Donau-Ries

Welthospiztag 2016: Den letzten Weg mitgehen – bis zum Schluss

Viele Menschen sind überfordert, wenn ein enger Verwandter sich verabschiedet. Sibylle Burkhardt und Margit Wiedenmann erklären, wie Begleiter der Hospizgruppe helfen.

Der Lebensweg endet im Ungewissen. Damit der letzte Abschnitt leichter fällt, helfen Hospizbegleiter Sterbenden und lebensbedrohlich Kranken.

Foto: Barbara Wild

Viele Menschen wissen gar nicht, was eine Hospizgruppe eigentlich macht. Was bedeutet Hospiz überhaupt?

Margi Wiedenmann: Unsere ehrenamtlichen Begleiter sind für Menschen da, bei denen feststeht, dass ihre letzte Lebenszeit begonnen hat. Wir stehen ihnen und auch den Verwandten bei – bis zum Tod. In wenigen Fällen auch, bis sich derjenige wieder erholt hat.

 Heute ist Welthospiztag. Warum gibt es überhaupt Hospizgruppen wie die im Landkreis?

Sibylle Burkhardt: Die Hospizbewegung ist vor etwa 30 Jahren entstanden, als die Medizin große Fortschritte machte. Es war mehr möglich, der Tod wurde nicht mehr so schnell akzeptiert. Es gab eine Zeit, in der das Sterben nahezu unwürdig war, die Menschen wurden ins Sterbezimmer geschoben und waren damit aus dem Blickfeld. Eine Bürgerbewegung wollte das ändern. Zum andern gibt es seitdem auch eine Angst vor Überversorgung. Also, dass man an Schläuchen hängt und selbst nicht mehr entscheiden kann, ob man lieber sterben möchte.

Warum braucht es jemanden von außen, um beim Sterben nicht allein zu sein?

Burkhardt: Früher haben es die Familien abgefangen. Schon Kinder wussten, wie es ist, wenn ein Mensch oder auch ein Tier stirbt. Das ist heute anders. Sterben wird ins Heim oder ins Krankenhaus verlagert. Es dauert auch länger, weil mehr Behandlungen möglich sind. In Zeiten, in denen die Familienstrukturen wegbrechen, greifen die Menschen gerne auf Hilfe von außen zurück. Sterbende zu begleiten, da zu sein, ist zeitintensiv. Diese Zeit haben heute die wenigsten.

Sie sind also einfach da?

Wiedenmann: Es ist schwer zu beschreiben, was wir konkret tun, zumal jeder Ehrenamtliche anders begleitet. Es ist ein bisschen wie beim Kinderkriegen: Jede Frau weiß, dass es in diesen Stunden nicht auf das Zimmer oder die Einrichtung ankommt, sondern um die Menschen um sie herum.

Wie sieht eine Begleitung konkret aus?

Wiedenmann: Das ist sehr unterschiedlich, weil auch die Situationen jedes Mal sehr unterschiedlich sind. Wir hatten neulich eine Anfrage eines 51-Jährigen, alleinstehend, schwer krebskrank. Seine Wohnung hatte er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen und war ins Altenheim zur Pflege gezogen. Die Einrichtung hat uns verständigt. Unsere Mitarbeiterin geht zu diesem Mann, sie spielen Brettspiele, fahren mit dem Rollstuhl im Garten, hilft beim Essen, leistet ihm Gesellschaft.

Aber manchmal helfen Sie ja auch Angehörigen.

Wiedenmann: Ja, für viele Angehörige ist es eine Entlastung, mit uns offen zu sprechen oder einfach zu fragen, was sie jetzt tun sollen. Gleiches gilt auch für den Sterbenden. Bei unseren Ehrenamtlichen werden oft Dinge angesprochen, die sie sich mit den nächsten Verwandten nicht zu besprechen trauen.

Wie viele Menschen begleitet Ihre Gruppe?

Burkhardt: Wir haben 60 Hospizbegleiter. Im Jahr 2015 haben wir etwa 100 Menschen aus dem Landkreis geholfen, 2016 waren es bisher bereits 110.

Wie lange dauert eine Begleitung?

Burkhardt: Von eineinhalb Tagen bis fünf Jahre. Das ist ebenfalls sehr verschieden. Manche Ehrenamtliche gehen einmal die Woche zu ihren Sterbenden, andere gehen öfter. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse der Betroffenen und der Angehörigen. Alles andere passt sich an.

Gibt es Fälle, die Sie ablehnen?

Burkhardt: Wir begleiten keine Kinder und Jugendlichen. Dazu ist eine spezielle Ausbildung nötig.

Sie übernehmen aber keine Pflege, oder?

Wiedenmann: Nein. Unsere Ehrenamtlichen sind keine Pflegekräfte. Wir übernehmen auch keine rechtlichen Geschäfte, beraten nicht beim Testament oder heben Geld vom Automaten ab. Wir bieten ausschließlich psycho-soziale Betreuung.

Was treibt jemanden an, der sich als Hospizbegleiter engagiert?

Wiedenmann: Unsere Ehrenamtlichen haben meist selbst erlebt, wie gut es ist, wenn jemand da ist, wenn im eigenen Umfeld jemand stirbt. Andere beschäftigen sich schon lange mit dem Thema Tod. Die meisten wollen auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

Aber ist es nicht hart, den Menschen beim Sterben zuzusehen?

Burkhardt: Die Sicht auf den Tod verändert sich. Viele Menschen wünschen sich für sich selbst einen schnellen Tod, am liebsten wollen sie einfach nicht mehr aufwachen. Aber wir erfahren, dass eine Krankheit auch eine Chance sein kann. Wer den Tod erwartet, hat noch einmal eine sehr intensive Zeit, kann sich verabschieden, Dinge klären, im Guten gehen. Das erspart den Angehörigen Schuldgefühle. Wiedenmann: Man muss auch bedenken, dass wir niemals im Krisenfall wie bei einem Unfall oder Ähnlichem dabei sind. Bei uns läuft es eher ruhig ab – bis zum Schluss. Wir sind uns außerdem bewusst, dass wir den Menschen nichts abnehmen können, sondern einfach ihren Weg mitgehen.

Welthospiztag Am Aktionstag veranstaltet der Hospizverein einen Filmabend in Nördlingen. Um 17 und um 20 Uhr wird „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in der Drehergasse im Programmkino gezeigt. Am 19. Oktober gibt es „Ich, Earl und das Mädchen“ um 17.30 und um 20 Uhr im Cineplex in Donauwörth zu sehen. Ab 16 Uhr gibt es eine Aktion der Hospizgruppe mit dem Titel „Before i die“. Passanten können dabei auf Tafeln schreiben, was sie noch erleben wollen, bevor sie sterben.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

29.06.2016

Vorbereitet für die Hospizbegleitung

Ein weiterer Kurs ist abgeschlossen

Hosüizkurs 2015/2016

Donauwörth (red). Vor Kurzem erhielten acht Frauen und ein
Mann im BRK-Heim Donauwörth ihre Zertifikate überreicht.

Sie dürfen sich jetzt Hospizbeglei­terInnen nennen und sind bereit für den ersten Einsatz. Die Kurs-teilnehmer hatten sich seit No­vember 2015 in insgesamt sieben Seminareinheiten auf ihr ehren­amtliches Engagement als letzte Wegbegleiter von Schwerkranken, Sterbenden oder auch von Ange­hörigen vorbereitet. Vertieft wurde das theoretische Wissen in einem 20-stündigen Praktikumseinsatz in Privathaushalten oder Alten- und Pflegeheimen.

Die Themenschwerpunkte wa­ren breit gefächert. Unter anderem erhielten die Kursteilnehmer Ein­blicke in Gebiete wie Demenzer­krankungen oder Kommunikati­on mit Sterbenden. Verschiedene Referenten bereiteten die neuen Hospizbegleiter auf ihre späteren Einsätze vor. In der Gruppe – die innerhalb der Ausbildung trotz un­terschiedlichster Hintergründe zu einer homogenen Einheit zusam­mengewachsen ist – ist man sich einig: Dieser Kurs bereitet einen nicht nur auf das Ehrenamt vor, sondern verändert auch den Men­schen in seinem Denken und Han­deln. Man verändert die Sicht auf manche Dinge oder Situationen – auch im privaten Bereich.

Mit einer abschließenden Projektarbeit wollen die Kurs-teilnehmer im Herbst (am 8. Ok­tober ist Welthospiztag) auf die Hospizarbeit und vor allem die Hospizgruppe Donau-Ries in der Öffentlichkeit aufmerksam machen. In Zukunft werden sich die Absolventen für die Arbeit der Hospizgruppe Donau-Ries zur Verfügung stellen und Schwer­kranken und Sterbenden Zeit schenken.

Damit möchten sie ihren per­sönlichen Beitrag zum zunehmen­den Bedarf solch ehrenamtlicher Unterstützung leisten – jeder in einem selbst festgelegten Umfang und Zeitrahmen.

(Quelle: WochenZeitung Nördlingen vom 29.06.2016)

26.03.2016

Hospizbegleitung – ein wichtiger Teil palliativer Versorgung durch die Hospizgruppe Donau-Ries e.V.

„Den letzten Weg nicht alleine gehen“

von Diana Hahn

Seit 1999 gibt es die Hospizgruppe Donau-Ries e. V. . Der ehrenamtliche Verein wurde damals von einem kleinen Team gegründet und finanziert sich zum großen Teil über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Mittlerweile hat die Hospizgruppe über 260 Mitglieder darunter circa 60 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und -begleiter. Ziel des Vereins, der ganz ohne wirtschaftliches Interesse arbeitet, ist es, sich für den hospizlichen Gedanken einzusetzen und diesen zu verbreiten. Die Wurzeln der Hospizbewegung liegen im angelsächsischen Raum.

2012-Abschlussarbeit_Koffer Letzte Reise

Foto: Ein Koffer für die letzte Reise, Abschlußprojekt des Ausbildungsjahrgangs 2012

Die Ärztin Dame Cicely Saunders wird häufig als Gründerin der Hospizbewegung genannt. 1967 eröffnete sie in London das St. Christopher`s Hospice, das erste Hospiz dieser Art in Europa. Ihr Verdienst ist es, dass sich der Umgang mit dem Tabu-Thema Tod in den letzten Jahren grundlegend verändert hat.

Sabine Meilinger-Kunzmann arbeitet seit 2010 als ehrenamtliche Hospizbegleiterin bei der Hospizgruppe Donau-Ries e. V.. Bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit ist sie für schwerstkranke und sterbende Menschen da. Nachdem sie sich entschlossen hatte, sich ehrenamtlich als Hospizbegleiterin zu engagieren, durchlief sie zunächst eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin. In der Ausbildung, die nach dem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Hospiz- und Palliativmedizin erfolgt, werden den ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern in 110 Stunden grundlegende Kenntnisse vermittelt, die für ihren Einsatz unbedingt notwendig sind. In der Ausbildung soll den zukünftigen Hospizbegleiterinnen unter anderem beigebracht werden, sich mit kritischen Lebensereignissen wie Abschied, Trauer, Krankheit, Sterben und Tod auseinander zu setzen und diese Ereignisse im Hinblick auf die Bedeutung für einen Einsatz in der Begleitung sterbenderMenschen und der ihnen nahe Stehenden zu reflektieren. In Übungen werden verschiedene Situationen simuliert, um die ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter so gut wie möglich vorzubereiten. Aber auch die Geschichte, Stand und Umsetzungsformen der Hospizbewegung und der Palliativmedizin, über Sterbe- und Trauerprozesse, über Kommunikation mit den Schwerstkranken und Sterbenden sowie den Menschen in ihrem Umfeld und Rituale des Abschiednehmens gehören zu den Inhalten der Ausbildung. Und auch
das Thema Vorsorgevollmachten hat seinen Platz bei der Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer.

Dem theoretischen Teil schließen sich dann 20 Stunden Praktikum an. In diesem Rahmen machen die Hospizbegleiterinnen und -begleiter erste Erfahrungen in der Begleitung der Schwerstkranken und Sterbenden. Danach wird im persönlichen Gespräch mit der Ausbilderin überlegt, ob ein Einsatz als Hospizbegleiterin bzw. Hospizbegleiter stattfinden soll.

Die Angst vor dem Sterben in den Griff bekommen

„Ebenso wichtig wie die Ausbildung ist“, so Sabine Meilinger-Kunzmann, „dass man sich darüber klar wird, warum man das machen will.“ Sie selbst habe die Idee lange mit sich herumgetragen und wollte mit ihrem Engagement ihre eigene Angst vor dem Sterben damit in den Griff bekommen. Aber auch die Tatsache, dass sie weit von zu Hause weg lebt, spielte bei ihrer Entscheidung eine Rolle. „Ursprünglich komme ich aus Gießen, Hessen. Meine Mutter lebt auch noch da. Wenn meine Mutter sehr krank wäre und sterben würde, wäre ich froh, wenn jemand für sie da wäre, in der Zeit in der ich es nicht sein kann“, sagt Meilinger-Kunzmann über ihre Beweggründe. Es ist ihr ein großes Anliegen, dass niemand allein sterben muss, nur weil das Thema Tod als unangenehm empfunden wird.

Wer als Hospizbegleitung arbeiten möchte, muss keine besonderen Vorkenntnisse haben. „Mitbringen sollte man allerdings Empathie. Man muss sich in die Menschen hineinversetzen, damit man merkt, was die Schwerstkranken und Sterbenden wollen“, erklärt Meilinger-Kunzmann. Man bekomme in der Ausbildung zwar viele wichtige Informationen vermittelt, aber ein „Schema F“, nach der eine Begleitung dann ablaufen muss, gibt es nicht. „Jede Begleitung ist anders, denn jeder von uns ist anders“, sagt Sabine Meilinger-Kunzmann. „Manche sind total froh, dass sie über ihre Situation sprechen können. Andere wiederum möchten gar nicht darüber sprechen“, sagt die ehrenamtliche Helferin. „Auch dass man echt ist, ist bei der Hospizbegleitung wichtig. Die Sterbenden haben nichts davon, wenn man ihnen etwas vorspielt“, so Meilinger-Kunzmann weiter. „Der Kranke ist der Boss, er bzw. sie führt Regie“, sagt Sabine Meilinger-Kunzmann voller Überzeugung. „Jeder Patient bestimmt wie er von uns begleitet werden möchte, worüber gesprochen wird, worüber sie eben nicht sprechen möchten und auch wie lange ein Besuch dauert“, so die ehrenamtliche Helferin. „Manchmal wollen Sterbende gar keine Begleitung, dafür aber die Angehörigen“.

Die Konfession spielt keine Rolle

Die Hospizgruppe Donau-Ries e.V. arbeitet überkonfessionell. Jeder der Begleitung und/oder Beratung wünscht, kann sich beim Verein melden, egal welcher Konfession er angehört oder ob er konfessionslos ist. „Die Koordinatorinnen kümmern sich dann darum, dass der Kranke und die Begleitung zusammenpassen. Dazu führen sie Gespräche mit den Patienten und den Angehörigen“, erklärt Sabine Meilinger-Kunzmann das Vorgehen. „Die Koordinatorinnen haben das im Gefühl. Sie wissen meistens, wer zu wem passt. Beim ersten Treffen sind dann die Koordinatorin und die Begleiterin oder der Begleiter anwesend. Wer sich zur Begleiterin oder zum Begleiter ausbilden lassen möchte, braucht keine medizinischen Kenntnisse. Anders ist das bei den Koordinatorinnen. Bei diesen handelt es sich ausschließlich um Pflegefachkräfte mit Palliativ-Care Zusatzausbildung. Neue Mitglieder sind bei der Hospizgruppe gerne gesehen, egal ob aktiv oder passiv. Und auch neue Begleiterinnen und Begleiter werden dringend benötigt. „Gerade jetzt, da es das neue Palliativ- und Pflegegesetz gibt, gehen wir davon aus, dass in Zukunft noch mehr Menschen unsere Hilfe in Anspruch nehmen werden“, so Sabine Meilinger-Kunzmann. „Gerne dürfen sich auch Männer zum Hospizbegleiter ausbilden lassen. Denn im Moment haben wir nur wenige Begleiter, überwiegend sind es Begleiterinnen, die diese Arbeit tun. Aber vielleicht würden sich manche Kranken auch gerne von einem Mann begleiten lassen“, fügt Meilinger-Kunzmann hinzu.

Neben der Möglichkeit der ambulanten Begleitung zu Hause, gehen die Hospizbegleiter aber auch auf die Palliativstation und bieten ihre Hilfe an: „Wir drängen uns aber nicht auf. Wir bieten ein Gespräch an und wer möchte, nimmt dies an“, sagt Sabine Meilinger-Kunzmann. „Des Weiteren begleiten wir Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen und im Krankenhaus.“ Das Angebot der Hospizgruppe umfasst unter anderem auch eine begleitete Trauergruppe mit festem Teilnehmerkreis, die sich ab November eines Jahres, alle zwei Wochen, zehn Mal trifft. Aber auch einen offenen Gesprächskreis können Trauernde besuchen. An jedem ersten Montag im Monat besteht die Möglichkeit sich mit anderen Trauernden auszutauschen. Der Gesprächskreis findet immer von 19 bis 21 Uhr im katholischen Gemeindehaus, Kirchberg 2, in Harburg statt. Auch Einzel-Trauergesprächen bietet die Hospizgruppe an.

„Wir machen das einfach“

Obwohl sie schon seit über fünf Jahren als ehrenamtliche Begleiterin arbeitet, war Sabine Meilinger-Kunzmann noch nie dabei, wenn jemand gestorben ist. Insgesamt ist es so, dass die wenigsten Sterbebegleiter vor Ort sind, wenn die Patienten sterben. Ihr ehrenamtliches Engagement sieht Sabine Meilinger-Kunzmann nicht als etwas Besonderes an. Es ist ihr sogar unangenehm, wenn andere sie für ihre Arbeit loben. „Ich bin keine Heldin und es ist auch nichts besonderes, was ich mache. Ich will einfach da sein. Außerdem bekommen wir mindestens genauso viel zurück, wie wir geben und ich lerne auch sehr viel dabei“, beschreibt sie ihr Engagement. Die Begleitung der Schwerstkranken sei auch nicht nur traurig. „Wenn die Kranken Geschichten von früher erzählen, gibt es oft auch Grund zu lachen“, so die ehrenamtliche Begleiterin. „Es ist wichtig, dass man keine Angst vor dieser Arbeit hat. Wir machen das einfach“, so Meilinger-Kunzmann. Sie selbst habe ihre Angst vor dem Tod noch nicht vollständig verloren, aber sie sei schon weniger geworden. „Ich denke, dass das einfach ein Prozess ist, der seine Zeit braucht. Der Tod gehört zum Leben, das muss ich mir immer wieder klar machen“, so Sabine Meilinger- Kunzmann. Wichtig ist der ehrenamtlichen Begleiterin auch noch, dass klar ist, dass die Hospizgruppe Donau-Ries aktive Sterbehilfe konsequent ablehnt und auch keine Sterbehelfer vermittelt. „Wir sind nämlich der Überzeugung, dass ein rundum palliativ versorgter Mensch in der Regel gehen kann, ohne sehr zu leiden. Dazu passt auch ein Zitat von Dame Cicely Saunders, die einmal sagte, dass es nicht darum geht, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Quelle: http://www.donau-ries-aktuell.com

07.03.2016

Abschied nehmen und im Sterben begleiten

Ausstellung „Gemeinsam gehen“ im Pro Seniore Bissingen eröffnet

Von Helmut Herreiner

„Gemeinsam gehen“. So lautet der Titel der Ausstellung, die bis zum 15. März im Pro-Seniore-Pflegeheim in Bissingen
besichtigt werden kann. Bei der Eröffnung dabei waren: (von links) Residenzleiter Michael Gassenmayer, Bürgermeister
Michael Holzinger (Bissingen), Bürgermeister Karl Malz (Tapfheim), Pfarrer Horst Schall (Oppertshofen), Sibylle Burkhardt
(Hospizgruppe Donau-Ries), Pflegedienstleiterin Diana Stiebner und Pater George Vadakkinezhath (Bissingen).             Foto: Herreiner

Sterben ist ein elementarer Bestandteil des Lebens. Dieser Satz zog sich nicht nur wie ein roter Faden durch die verschiedenen Ansprachen, die anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Gemeinsam gehen“ in der Pro-Seniore-Residenz in Bissingen gehalten wurden. Unter den zahlreichen geladenen Gästen befanden sich auch die beiden Bürgermeister Michael Holzinger aus Bissingen und Karl Malz aus Tapfheim, die beiden Geistlichen Pfarrer Horst Schall und Pater George Vadakkinezhath sowie Sibylle Burkhardt, die Koordinatorin der Hospizgruppe Donau-Ries.

Die Ausstellung informiert in acht sehr ansprechend aufbereiteten Themenbereichen über die Möglichkeiten der Sterbebegleitung und Versorgung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen. Nachdem sie zuletzt in den Krankenhäusern in Nördlingen und Donauwörth aufgebaut war, kann sie nun erstmals im Landkreis Dillingen in der Zeit vom 2. bis 15. März im öffentlich zugänglichen Foyer des Pro-Seniore-Heimes in Bissingen täglich besichtigt werden. Residenzleiter Michael Gassenmayer verwies eingangs auf die gut funktionierende und in den vergangenen Jahren stetig gewachsene Zusammenarbeit des Pflegeheims im Kesseltal mit der Hospizgruppe Donau-Ries. So konnte in den vergangenen beiden Jahren auch ein neues Konzept des Abschiednehmens am Lebensende entwickelt und umgesetzt werden. Sibylle Burkhardt, die leitende Koordinatorin der rund 60 ehrenamtlich tätigen Personen in der Hospizgruppe Donau-Ries, stellte heraus, dass es die elementare Aufgabe einer Hospizgruppe sei, den Schwerkranken, den Sterbenden und eben auch den Angehörigen zu helfen. Darüber informiere die aktuelle Ausstellung auf anschauliche Weise. Oft seien es nur Kleinigkeiten, oft das Dasein und das Spürenlassen von Anteilnahme, die hier von großer Bedeutung seien. Die Donau-Rieser Hospizgruppe verfüge im Kesseltal aufgrund der räumlichen Nähe und mancher persönlicher Verbindungen über gewachsene Strukturen und könne auf eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Pro-Seniore-Heim bauen, sagte Sibylle Burkhardt. Pfarrer Horst Schall aus Oppertshofen, seit vielen Jahren dem Pro-Seniore eng verbunden, stellte heraus, dass sich in den vergangenen 25 Jahren beim Thema „Sterben“ vieles geändert habe.

„Die Themen Tod und Sterben werden heute wieder in der Bevölkerung angenommen, und die sozialen, emotionalen und spirituellen Bedürfnisse der Sterbenden werden wahrgenommen. Hier hat sich, seit ich als Pfarrer tätig bin, unheimlich viel getan, und das in einem sehr positiven Sinne“, so der evangelische Geistliche. Sehr beeindruckt von der Ausstellung zeigte sich auch Bürgermeister Michael Holzinger. Er hoffe, dass dieses wichtige Thema so noch mehr in die Bevölkerung hineingetragen werde und die Menschen durch die Ausstellung und die begleitenden Broschüren noch weiter dafür sensibilisiert würden, meinte er und dankte ebenso wie Residenzleiter Michael Gassenmayer abschließend den zehn Pro-Seniore-Auszubildenden für das Büffett, das sie für die Gäste vorbereitet hatten.

(Quelle http://www.augsburger-allgemeine.de)

01.12.2015

Patientenrechte am Lebensende

Rechtsanwalt informiert über selbstbestimmte Vorsorge

Patientenrechte am Lebensende interessieren viele, das zeigte nicht nur die zurückliegende Debatte im Bundestag zu den neuen Hospiz- und Palliativgesetzen. Auch dass 140 Besucher zum Vortrag des Münchner Rechtsanwalts Wolfgang Putz ins VHS-Haus nach Donauwörth kamen, belegte das. Putz war auf Einladung der Hospizgruppe Donau-Ries zu Gast, um über die Möglichkeiten zur selbstbestimmten Vorsorge zu informieren. Das tat er mit einem lebendigen Vortrag, ergänzt um praktische Beispiele aus dem Alltag rund um Rechte am Lebensende, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
Eindrücklich machte Putz klar, dass es bei schwierigen medizinischen Fragen – wie etwa künstliche Ernährung oder Beendigung einer Beatmung – auf zwei Dinge ankommt: die medizinische Indikation und den Willen des Patienten. Erst wenn beides übereinstimmt, wird gemeinsam über eine Behandlung entschieden. Putz’ dringlicher Rat an die Zuhörer: „Erstellen Sie eine Vorsorgevollmacht und reden Sie mit Ihren Angehörigen über das, was Sie am Lebensende oder bei schlechter medizinischer Prognose wollen.“
Das Grundgesetz, betonte er, schützt die Beachtung der Selbstbestimmung an oberster Stelle. Viele Menschen könnten oder wollten nicht akzeptieren, dass es nach dem Grundgesetz wohl ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht zu leben gebe. Auch garantierten die Grundrechte auf Würde, Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit auch ein einklagbares Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben. Aber auch in den Fällen, in denen keine perfekte Vorsorge betrieben wurde, müsse immer der aktuelle Wille des Patienten eingehalten werden. Sei es, dass der Schwerkranke denselben noch äußern könne, sei es, dass er im Voraus geäußert worden sei. Ansonsten kann laut Putz auch der mutmaßliche Wille der Patienten ermittelt und beachtet werden. Hierbei komme den Angehörigen eine wesentliche Rolle zu.
„Solange der Patient seinen Willen äußern kann, braucht es keine Patientenverfügung“, ergänzte der Anwalt. „Nur in den Fällen, bei denen Arzt und Patient nicht mehr miteinander sprechen können, ist es wichtig, dass der Arzt die Wünsche des Kranken kennt.“ Genau diese Wünsche können in einer Patientenverfügung festgelegt werden. Im Idealfall hat der Patient die Angehörigen durch eine Vorsorgevollmacht frühzeitig in die Lage versetzt, seine Wünsche rechtsverbindlich durchzusetzen. Wolfgang Putz zeigte eindrücklich auch die Grenzen und Fallstricke von verschiedenen Möglichkeiten der Vorsorge auf und ging zudem auf kritische Rückfragen der Zuhörer ein. (pm)

(Quelle http://www.augsburger-allgemeine.de)

21.07.2015

In der Freizeit geht es um Leiden und Sterben

Freiwillige begleiten schwerkranke Menschen bis zum Tod. Eine Frau berichtet

Es ist ein forderndes Ehrenamt, Sterbenden und deren Angehörige auf ihrem letzten Lebensweg zur Seite zu stehen. Trotzdem steigt die Zahl der freiwilligen Sterbebegleiter. Sie leisten vor allem psychische Unterstützung für die Kranken.

Eine langjährige Mitarbeiterin der Hospizgruppe Donau-Ries sagt, sie habe schon viele Menschen bis zum Tod begleitet, 20 seien es wohl gewesen. Irgendwann habe sie aufgehört mitzuzählen. Die 63-Jährige aus Donauwörth arbeitet seit sieben Jahren als ehrenamtliche Hospizbegleiterin für die ambulante Hospizgruppe. In ihrer Freizeit besucht sie todkranke Patienten zu Hause oder in Altenheimen. Zu 90 Prozent sind es Krebspatienten. Die Ärzte geben ihnen meist nur noch einige Wochen oder wenige Monate.

In dieser schweren Zeit des Abschieds kümmert sich die Hospizbegleiterin um den Kranken oder seine Angehörigen. „Es wird viel gesprochen und viel geweint in dieser Phase“, sagt sie. Ihr Ziel ist es dabei, Sterbebegleitung zu einem Teil alltäglicher mitmenschlicher Begegnungen zu machen.

Eine wachsende Zahl von Freiwilligen engagiert sich in der ambulanten Sterbebegleitung. Diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung nimmt zu, denn es gibt eine steigende Nachfrage nach Unterstützung. Die Anfragen haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt.

„Auch wenn es sich bei der Hospizarbeit um ein forderndes und nicht leichtes Ehrenamt handelt, gibt es glücklicherweise nach wie vor Menschen, die sich dafür entscheiden – und zwar ganz bewusst“, sagt Margit Wiedenmann, Koordinatorin der Hospizgruppe Donau-Ries. Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht eine „steigende Bedeutung“ und „stärkere Inanspruchnahme“ von Hospizen und Palliativmedizin. Unter Palliativmedizin versteht man die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen. Hierzu gehört auch die Schmerztherapie im ambulanten und stationären Bereich.

Für die Hospizbegleiterin aus Donauwörth ist die ehrenamtliche Sterbebegleitung von zunächst fremden Menschen eine Herzenssache. „Ich bin jemand, der schon immer geholfen hat. Ich leide aber unter keinem Helfer-Syndrom. Ich freue mich, wenn ich etwas Gutes tun, etwas bewirken und der Gesellschaft dienen kann. Daraus ziehe ich meine Kraft.“ Wenn sie die Dankbarkeit verzweifelter und hoffnungsloser Patienten spürt, ein zufriedenes Lächeln erntet – „das bestärkt mich über Wochen“, sagte sie.

Einfach da sein, Stille mit aushalten oder reden steht bei den Besuchen im Vordergrund. Je nachdem, wie aktiv und mobil die Patienten sind, spielt sie Gesellschaftsspiele oder geht mit ihnen spazieren. Für viele Schwerstkranke sind die Hospizbegleiter offenbar wie ein Kummerkasten. Sie werfen im Gespräch Ballast von ihrer Seele ab. Bei zwei Dritteln der Themen geht es um negative Dinge. Bei einem Drittel um Schönes und Positives, das sie erlebt haben. Manchmal spüren sie Ruhe und Gelassenheit, ja sogar Harmonie, trotz tödlicher Krankheit, berichtet die Mitarbeiterin der Hospizgruppe.

Die Ehrenamtlichen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit dem Leiden und Sterben todkranker und verzweifelter Menschen. Für diese anspruchsvolle Aufgabe werden die Hospizhelfer gut ausgebildet und laufend betreut. Sie versuchen, keinen Kummer mit nach Hause zu nehmen. Es ist wichtig, achtsam mit sich selbst zu sein. Eine Motivationsflaute, Todkranke zu betreuen, hatte die 63-Jährige noch nicht, sagt sie. Aber zur Stärkung liest sich die Hospizbegleiterin manchmal Briefe und Karten von Angehörigen durch. Sie bringen darin ihre Dankbarkeit für die Begleitung auf dem letzten Lebensabschnitt zum Ausdruck. „Das sind sehr bewegende Zeilen“, sagt sie.

Ausbildung zum Hospizbegleiter

Im Oktober beginnt wieder ein neuer Kurs zur Ausbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter. Für Anmeldung und nähere Informationen stehen die Mitarbeiter der Hospizgruppe zur Verfügung: Telefon 0906/7001641, kontakt@hospizgruppe-donau-ries.de, www.hospizgruppe-donau-ries.de (pm)

(Quelle http://www.augsburger-allgemeine.de)

28.05.2015

Hilfe für Schwerkranke und Angehörige

Weitere Ehrenamtliche sind für die Begleitung in besonders schwerer Zeit ausgebildet.

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Zehn Frauen und zwei Männer verstärken ab jetzt das Team der ehrenamtlichen Hospizbegleiter der Hospizgruppe Donau-Ries. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Hospizgruppe, Hans Breithaupt, feierten sie im Saal der Diakonie in Deiningen den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung. Seit Oktober 2014 hatten sie an acht Freitagabenden und Samstagen gemeinsam gelernt, Schwerkranken und ihren Angehörigen zur Seite zu stehen. Ihre Kursleiterin war Margit Wiedenmann. Praktika in Seniorenheimen vervollständigten die Ausbildung.

Die Absolventen stammen aus dem Landkreis Donau-Ries, unter anderem aus Hochaltingen, Oettingen, Rain und Mertingen. Ihre Aufgabe ist fortan, Menschen mit schwerer Krankheit und ihre Angehörigen zu beraten und zu begleiten – vor allem im eigenen Zuhause, Alten- und Pflegeheimen. Umfang und Zeitrahmen des Ehrenamts legt jeder selbst fest.

Immer mehr Anfragen

„Wir haben Zeit für Schwerkranke und ihre Angehörigen und stehen ihnen für ein unverbindliches Gespräch jederzeit zur Verfügung“, informiert Koordinatorin Sibylle Burkhardt. Sie berichtet, dass die Zahl der Anfragen stetig zunehme.

Im Herbst 2015 startet wieder eine Ausbildung zum Hospizbegleiter, die Termine werden noch bekannt gegeben. (pep)

Kontakt Wer eine Beratung oder Begleitung wünscht, sich für die Ausbildung zum Hospizbegleiter interessiert oder allgemeine Fragen hat, erreicht die Hospizgruppe Donau-Ries unter Telefon 0906/7001641.

(Quelle http://www.augsburger-allgemeine.de)

29.04.2015

Neuer Vorsitzender, neue Herausforderungen

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„…will ich einen Teil meiner Lebenszeit den Menschen widmen, die nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Hans Breithaupt, Vorsitzender Hospizgruppe

Hans Breithaupt heißt der neue Vorsitzende der Hospizgruppe Donau-Ries. Der Mertinger folgt auf Christa Lechner aus Donauwörth, die nach zehn Jahren Vorsitz einen Nachfolger gesucht hatte. Die Wahl bei der Jahreshauptversammlung im Donauwörther BRK-Zentrum war einstimmig, die Amtsübergabe in völliger Übereinstimmung. „Christa Lechner hat die Hospizgruppe mit ihrer enormen Erfahrung und ihrem großen Herzen für die Hospizidee geprägt“, sagte Breithaupt, „ich kann quasi auf einen sehr gut fahrenden Zug aufspringen.“

 

250 Mitglieder hat der Verein inzwischen, 60 davon sind aktiv dabei. In vielen Seniorenheimen und Kliniken im Landkreis ist die Hospizgruppe präsent, immer mehr Bürger wissen: Wer lebensbedrohlich erkrankt ist, schwerkranke Angehörige betreut oder aber trauert, findet hier Ansprechpartner und Begleitung.

Für die beiden Palliativbetten der Hospizgruppe, die seit 2011 im BRK-Zentrum untergebracht sind, gab es im Jahr 2014 erstmals eine Warteliste. Breithaupt und Lechner konnten nun darüber informieren, dass der Verein und das Bayerische Rote Kreuz darauf reagieren: Noch heuer werden zwei weitere Palliativbetten bereitstehen. Der dafür nötige Umbau, die Ausstattung und Fortbildungen der Mitarbeiter werden wiederum zu einem großen Teil vom Rotary-Club Donauwörth übernommen.

Seine Präsidentschaft beim Rotary-Club im Jahre 2010 brachte Breithaupt überhaupt erst zur Hospizgruppe. „Ich suchte nach einem unterstützenswürdigen rotarischen Gemeindienstprojekt in der Region. Und ich lernte kennen, was Christa Lechner und ihr Team in jahrelanger intensiver Arbeit aufgebaut haben.“ Er machte sich selbst ein Bild und war überzeugt. Nach dem Ende seines Berufslebens „will ich einen Teil meiner Lebenszeit den Menschen widmen, die nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen“.

Die Hospizgruppe, das zeigte sich bei der Versammlung, entwickelt sich rege: Wurden im Jahr 2013 noch 42 Patienten beziehungsweise ihre Angehörigen begleitet, so waren es 2014 bereits 80 – im Jahr 2015 sind es bislang 59, hochgerechnet eine Verdoppelung. Da hilft es, dass zusätzlich drei neue geringfügig beschäftigte Teilzeit-Koordinatorinnen eingestellt worden sind.

Die wiedergewählte Zweite Vorsitzende Gertrud Schmid hielt die Laudatio auf die scheidende Vorsitzende. Christa Lechner, zuvor Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe, hatte schon in den 90er-Jahren in Berlin ein ambulantes und stationäres Hospiz mit aufgebaut: „Dieser Erfahrungsschatz kam auch uns und der gesamten Hospizbewegung im Landkreis außerordentlich zugute“, sagte Schmid. Was Christa Lechner eingebracht hat, wird den Verein weiterhin prägen – das Wirken der vielen Hospizhelfer, an deren Ausbildung sie maßgeblich beteiligt war und ist, der von ihr gegründete Newsletter „Momente“, die Vormittage „Hospiz macht Schule“ mit Kindern und Lehrern.

Auf das Team warten weitere Herausforderungen: „Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Palliative-Care-Teams, die Förderung regionaler Netzwerke und die Fortsetzung der Ausbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen“, nannte Breithaupt einige Beispiele. „Und es gilt, auch in Krankenkassen, Pflegediensten und Arztpraxen unsere Erfahrungen stärker in die alltägliche Versorgung von schwerst kranken und sterbenden Menschen einfließen zu lassen.“ Auch die Bedürfnisse von schwer kranken Kindern, demenziell Erkrankten sowie geistig und mehrfach behinderten Menschen werden mittelfristig mehr in den Fokus rücken.

(Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de)