Was ist Hospizarbeit?

Hospizliche Betreuung für sterbende Menschen ist nicht durch eine bestimmte formale Struktur definiert. Hospizarbeit wird im ambulanten, teilstationären (Tageshospiz) oder im stationären Bereich geleistet. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden werden sowohl innerhalb von stationären Einrichtungen als auch bei den Patienten zu Hause eingesetzt.

Was Hospizarbeit ausmacht, sind inhaltliche Kennzeichen und eine wertschätzende Haltung den sterbenden Menschen gegenüber. Cicely Saunders hat es auf den Punkt gebracht: „Du zählst, weil du bist, wer du bist. Und du zählst bis zum letzten Moment deines Lebens.“

Aus dieser Grundeinstellung ergeben sich fünf Prinzipien der Hospizarbeit

  • Ganzheitlichkeit

    Im hospizlichen Verständnis wird das Sterben als kritische Lebensphase mit vielfältigen Bedürfnissen gesehen. Tod und Sterben werden als grundsätzlich persönliche und sehr individuelle Angelegenheiten betrachtet. Die psychischen und sozialen Bedürfnisse Sterbender werden medizinischen Handlungsnotwendigkeiten als gleichwertig gegenübergestellt. Die Kontrolle der Situation durch den Betroffenen und die Einbeziehung der Angehörigen sind wesentliche Unterschiede zu herkömmlichen Institutionen des Gesundheitswesens.Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen setzt eine Orientierung an vier Dimensionen von Bedürfnissen voraus: die physische, psychische, soziale und spirituelle Dimension. Die körperliche bezieht sich in erster Linie auf Schmerzen und Funktionsstörungen, während die psychische Dimension kognitive Leistungsfähigkeit und Emotionen beinhaltet. Die soziale Dimension umfasst das Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen, also auch die Interaktion zwischen Hospizmitarbeiter und Sterbendem. Die spirituelle bezieht sich hauptsächlich auf Fragen der Sinngebung. Hospizarbeit möchte idealer Weise erreichen, dass Sterbenden ermöglicht wird, ihr Lebensende möglichst selbstbestimmt mit zu gestalten. Dafür orientiert sie sich an allen vier Dimensionen von Bedürfnissen des Menschen.

  • Interdisziplinäres Team

    Aus der ganzheitlichen Sicht auf den Menschen resultiert die Forderung, dass für möglichst alle unter Ganzheitlichkeit genannten Dimensionen des Wohlbefindens des Sterbenden und seiner Angehörigen Sorge getragen wird. Eine Konsequenz daraus ist die Arbeit in einem interdisziplinären Team, dem neben Medizinern und Pflegepersonal auch Musik- und Kunsttherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen, Seelsorger und ehrenamtliche Mitarbeitern angehören.

  • Freiwillige Helfer

    Das Motto „Low tech – high touch“ soll ausdrücken, dass Alltäglichkeit und mitmenschliche Begegnung als Wert an sich erkannt wird. Das Ehrenamt in Solidarität mit Sterbenden ist eines der fundamentalen Kennzeichen des Hospizgedankens. Die Begleitung durch ehrenamtliche Mitarbeiter soll alltägliche mitmenschliche Begegnung auch im Sterben ermöglichen. Deshalb ist die Aufgabe der Ehrenamtlichen hauptsächlich die psycho-soziale Begleitung.

  • Gute Symptomkontrolle

    Gute Kenntnisse und Fertigkeiten der Symptomkontrolle ist ein weiterer Grundpfeiler der Hospizarbeit. Cicely Saunders hat den Begriff des totalen Schmerzes „total pain“ geprägt. Dies meint, dass Schmerz körperliche, emotionale, soziale und spirituelle Komponenten hat.Schmerzempfinden ist individuell und abhängig von verschiedenen Faktoren. Das bedeutet, dass Schmerz nicht objektivierbar ist. Allein der Betroffene weiß, wie stark etwas weh tut. Die seelische Verfassung eines an schweren Schmerzen Leidenden wirkt sich auf die Schmerzempfindung stark aus. Unter guter Symptomkontrolle ist also sowohl die medikamentöse Schmerzbehandlung zu verstehen, einschließlich der Behandlung von anderen belastenden Symptomen (wie z.B. Atemnot, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen), als auch eine psychosoziale Betreuung, die Zuwendung, menschliche Nähe und Beistand vermittelt. Die Einbeziehung von Ehrenamtlichen ist also auch als Unterstützung bei der Symptomkontrolle zu verstehen.

  • Kontinuität der Fürsorge

    Die Kontinuität der Fürsorge bedeutet zum einen, dass ein Hospizdienst kontinuierlich, also rund um die Uhr erreichbar sein muss. Dadurch kann verhindert werden, dass Menschen noch kurz vor ihrem Tod in eine Klinik eingewiesen werden.Zum anderen bedeutet die Kontinuität der Fürsorge, dass Hospizarbeit auch darin besteht, nach dem Tod in der Zeit der Trauer für Angehörige zur Verfügung zu stehen. Deshalb ist Trauerbegleitung ein Angebot des Hospizvereins Bamberg (siehe Angebote der Trauerbegleitung).

Dabei geht es sowohl um eindeutig beschreibbare Merkmale als auch um Wertvorstellungen. Diese äußeren Faktoren wirken sich auf die Kultur von hospizlichen Einrichtungen und auf den Umgang miteinander von Hospiz-Initiativen aus.

Autorin: Dipl. Päd. Susanne Lypold (Auszug aus der empirischen Untersuchung von 2010), Kontakt über das Hospizbüro